In zehn Tagen von Lungern nach St.Moritz
Bei meist schönem Wetter pilgerte ich in Lungern los. Jedoch pilgerte ich nicht auf dem dort durchgehenden Jakobsweg, sondern auf meiner persönlichen Route. Wie schon vor einem Jahr verbrachte ich meine Ferien alleine in den Bergen. Obwohl, eigentlich war ich selten alleine. Da waren manchmal andere Wanderer, Kühe, Schafe, Murmeltiere (Ferdinand und Susi werdet Ihr bei den Fotos auch noch kennenlernen), Alpensalamander, Frösche, viiiiiele Kaulquappen und sicher auch Steinböcke und Gemsen, welche sich aber hartnäckig meinem Blickfeld entzogen (Stichwort Steinbockweg).
1. Tag: Lungern - Melchseefrutt - Tannalp - Entstlenalp
Frühmorgens gings los. Aufstieg zur Hütstett mit schönem Blick auf den Lungernsee, dann wieder hinunter ins kleine Melchtal und wieder hoch zu Abgschütz und hinunter zum Melchsee. Auf der Wanderautobahn weiter zur Engstlenalp mit dem schönen Engstlensee. Bekannte Gesichter traf ich auf der Tannalp. Da kam mir Saft mit seiner Frau entgegen.
Übernachtung im Massenlager des Hotels Engstlenalp
2. Tag: Engstlenalp - Sätteli - Tällihütte - Wendeläger - Sustenstrasse - (Sustenpass) - Sewenhütte
A propos bekannte Gesichter. Frühmorgens packe ich im Gang meinen Rucksack (wohlbemerkt noch mehr oder weniger im Halbschlaf), als jemand neben mir stehen bleibt. Wegen meiner morgendlichen Muffelphase dauert es einen Moment, bis ich merke, wer da neben mir steht. Hallo Anna! Sie war mit ihrer Familie ebenfalls in den Bergen unterwegs. Somit war auch für angenehme Gesellschaft während dem Morgenessen gesorgt!
Heiiiiidelbeeren! Die Alpenrosen waren schon verblüht, dafür waren die Heidelbeeren reif. Für meine Wanderpausen-Verpflegung war also gesorgt... Weil die Reservationszentrale der Grimselhütten und die Tällihüttenwartin ein Missverständnis hatten, war ich am 1. Tag gezwungen, in der Engstlenalp zu übernachten. Diese drei Stunden, welche ich am ersten Tag weniger hatte, fehlten mir am 2. Tag eindeutig. Es wurde mir schnell klar, dass ich den Sustepass nicht schaffen würde, wenn ich noch zu einer einigermassen christlichen Zeit in der Sewenhütte sein wollte. Aus diesem Grund stieg ich in Feldmoos ins Postauto ein und liess mich über den Sustenpass hinüber ins Meiental chauffieren. Der Aufstieg von Gorezmettlen zur Sewenhütte war dann noch ein angenehmer Abschluss des Tages. Der Weg war gesäumt mit Heinzelmännchen und Heidelbeeren :-) Bei der Hütte wurde ich auch schon mit Örgelimusik begrüsst. Bei heimeliger Musik und einer schönen Aussicht konnte ich also noch etwas die Beine hochlegen und den Tag ausklingen lassen.
3. Tag: Sewenhütte - Rot Bergli - Sasspass - Leutschachhütte
Wegen unsicherem Wetter verzögerte sich der Start um ein paar Stunden. In der Nacht gab es ein recht heftiges Gewitter und am Morgen war es immer noch recht trüb. um 10.00 Uhr hielt ich es dann nicht mehr aus und ich machte ich bei leichtem Nieselregen auf den Weg. Die Wanderung war recht anstrengend, das eher ungünstige Wetter machte es nicht unbedingt einfacher. Die Extratouren auf Wichelhorn und Schafschijen liess ich aus. Der Auf- und Abstieg zum/vom Sasspass ging über recht loses Geröll und kurz über Firnfelder. Teilweise muss man sich den Weg selber suchen. Die Sicht war glücklicherweise trotz dem nebligen Wetter gut genug, dass ich doch immer sah, wo ich hin musste. Schlussendlich kam ich bis auf die Haut durchnässt in der Leutschachhütte an. Die Schuhe wurden mit Zeitungspapier gestopft, die Kleider über dem Ofen aufgehängt. Es sollte sich aber herausstellen, dass die Schuhe am nächsten Morgen immer noch klitschnass waren...
4. Tag: Leutschachhütte - Arnisee - (Amsteg-Andermatt) - Unteralp - Maighelspass -Passo Bornengo - Cadlimohütte
Der Abstieg von der Leutschachhütte zum Arnisee ging zackig. Halb wandernd, halb joggend kam ich bei dem schönen Arnisee an. Dort gings dann mit dem Bähnli hinunter nach Amsteg und mit Postauto und Zug weiter nach Andermatt. In Andermatt konnte ich mich dann kurz mit neuem Proviant eindecken (wieder mal frische Früchte zum Zmittag!) und meine Grossmutter im Altersheim besuchen. Anschliessend ging es weiter durch die schöne Unteralp zur Vermigelhütte. Diese betrachtete ich jedoch nur aus der Ferne. Ich zweigte vorher ab Richtung Maighelspass. Von dort weiter hinunter ins Maighelstal mit einer grossen Steinmännchenkolonie und wieder hinauf zum Passo Bornengo. Es folgte ein für die Knie recht ungesunder Abstieg und ein weiterer spannender Aufstieg hinauf zur Cadlimohütte. Das Wetter liess mich an diesem Tag nicht im Stich, die Nase leicht gerötet, die Rändli auf den Waden von den Wanderschuhen zeichnen sich langsam ab...
5. Tag: Cadlimohütte - Lago Cadagno - Alpe Piora - Lago Dentro - Laghetti delle Miniera - Cadlimotal - Passo Lucomagno - Fuorcla di Gana Negra - Capanna Boverina
Wassertag! Der Tag begann mit einem Abstieg von der Cadlimohütte zum Lago Cadagno, vorbei an mehreren kleinen Seen. Nach dem Aufstieg zu den Laghetti delle Miniera konnte ich dem klaren Wasser nicht mehr widerstehen und gönnte mir während der Mittagspause einen Schwumm im klaren Wasser. Herrrrrrlich! Der Nebel begleitete mich den ganzen Vormittag und verzog sich erst im Cadlimotal wieder. Bei den Laghetti machte ich noch Bekanntschaft mit einem sehr neugierigen Murmeltier - ich nannte ihn Ferdinand. Dort folgte ich dem Reno Medel (inkl. Fussbad) zum Lukmanierpass. Dort folgte der letzte Aufstieg des Tages hinauf zur Fuorcla di Gana Negra, wo ich mit einer einzigartigen Landschaft überrascht wurde. Ich hatte das Gefühl, bei den Hobbits zu Besuch zu sein. Der Weg zur Boverinahütte zog sich ziemlich in die Länge. Ich machte unterwegs aber noch eine weitere Murmeltier-Bekanntschaft. Susi hat mich mit ihrem sehr schrillen Pfiff aus nächster Nähe ganz schön erschreckt.
6. Tag: Capanna Boverina - Passo d'Uffiern - Scalettahütte - Passo Greina - Greinaebene - Terrihütte
...und wieder einmal hing der Nebel im Tessin! Der Vorteil davon ist die angenehme Wandertemperatur. Bei Nebel machte ich mich also auf dem relativ neuen Steinbockweg (Sentiero degli Stambecchi) auf den Weg zum Lago Retico und weiter zum Passo d'Uffiern. Die Aussicht soll toll sein... Die Steinböcke haben sich wohl alle im Nebel versteckt oder sie mögen mich einfach nicht (vielleicht sind sie auch vor meinen stinkenden Kleidern geflohen, ich war ja doch schon eine Weile unterwegs.. :-). Wie auch immer, ich habe jedenfalls keine Steinböcke gesichtet. Vom Passo d'Uffiern gings dann wieder hinunter und wieder hinauf zur Scalettahütte, wo ich mir ein Rivella genehmigte, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Es folgte der Greinapass und anschliessend die herrliche Greinaebene mit interessanten Felsformationen, Teichen voller Frösche und Kaulquappen und saftig grünen Weiden. Der Weg zur Terrihütte gestaltete sich deshalb mehr wie ein Spaziergang denn wie eine Wanderung.
7. Tag: Terrihütte - Passo Diesrut - Vrin - (Thusis)
Nach einer sehr unruhigen Nacht merkte ich morgens, dass ich nicht wirklich fit war und mich nicht wohl fühlte. Da ich mich allein in den Bergen aufhielt, war es mir wichtig, dass ich mich auch zu 100% auf meinen Körper verlassen kann und wollte nichts erzwingen. Ich beschloss deshalb, einen Schöggeler-Tag einzuschalten. Statt wie geplant nach Vals zu wandern, kürzte ich ab und wanderte nur bis Vrin. Dort gings dann mit öV weiter nach Thusis. Den Nachmittag verbrachte ich in der Badi (endlich wieder mal eine Zeitung lesen) und am Abend konnte ich dann in Ursinas BnB mein Zimmer beziehen (Dusche!).
8. Tag: Ausserferrera - Pass Schmorras - Fuorcla Starlera - Val Curtegns - Radons - Savognin
Zuerst mit dem Postauto ins Ferreratal und dann zu Fuss hoch zum Pass Schmorras. Es ging durch einige Alpweiden mit vielen Kühen und noch mehr Fröschen. Der Weg führte mich auch noch durch das kleine Dorf Cresta mit einer sehr eindrücklichen kleinen Kirche mit toller Aussicht. Vom Pass Schmorras ging es weiter über die Fuorgla S... und S... hinunter nach Savognin. Eine gemütliche Wanderung, obwohl auch heute einige Höhenmeter zu bewältigen waren (wäre ja langweilig, wenn nicht). In Savognin war ich dann im BnB einer netten alten Frau einquartiert. Ich gönnte mir ein feines Abendessen auswärts. Lokale Prominenz war auch noch zugegen. Am Tisch nebenan dinierte die Mountainbike Europameisterin 2010 Katrin Leumann :-)
9. Tag: Julierpass - Fuorcla d'Agnel-Jenatschhütte
Ich liess es langsam ausklingen. Die gemütliche Wanderung führte mich vom Julierpass hinauf zur Fuorcla d'Agnel. Dahinter führte der Weg noch kurz über den Gletscher, was eine recht rutschige Angelegenheit wurde. Die Landschaft dort ist wie auch an anderen Orten meiner Wanderung herrlich. Die Gegend hat mich sicher nicht zum letzten Mal gesehen. Nach der Rutschpartie ging es weiter über scharfkantige Felsblöcke (die hat meine Kniekehle noch zu spüren bekommen, autsch) zum kleinen Gletschersee und dort auf einem angenehmen Wanderweg hinüber zur Jenatschhütte. Die heutige Wanderung war recht kurz und ich konnte vor der Jenatschhütte noch etwas in die Sonne liegen und die mitgebrachte Sonntagszeitung lesen.
10. und letzter Tag: Jenatschhütte - St. Moritz (-Bern)
Endspurt! Die Knie waren wieder mal nicht mehr so wanderfreudig, weshalb ich die Zusatztouren ausliess und direkt nach St. Moritz abstieg. Der Weg war wieder gesäumt von Kühen und es waren recht viele Wanderer unterwegs. In St. Moritz fühlte ich mich auch diesmal nicht wirklich wohl und ich war froh, als ich mich auf den Heimweg nach Bern machen konnte.
Alles in allem war es auch in diesem Jahr ein unvergessliches Erlebnis und ich freue mich schon jetzt auf meine nächste Tour im Sommer 2012!